Eine Krankheit, ein Unfall – und plötzlich können sich die Eltern weder um ihr Haus noch um andere Angelegenheiten kümmern. Als nächster Angehöriger, als Kind, fallen einem die Rechte, beispielsweise das Elternhaus zu verkaufen, aber nicht automatisch zu: Erst mit einer Generalvollmacht ist man als Angehöriger dazu befugt. Ansonsten kann das Gericht einen Betreuer für diese und andere Angelegenheiten bestellen.

Doch eine Generalvollmacht muss für den Hausverkauf bestimmte Kriterien erfüllen, damit sie wirksam ist. Ob Ihre Vollmacht diesen Kriterien entspricht und ob Sie diese auch zum Überschreiben des Hauses einsetzen können, erfahren Sie nachfolgend.

Zudem geben wir Ihnen auch Tipps, welche Vollmacht Sie am besten für Ihre Immobilie aufsetzen, damit Ihre Angehörigen im Fall des Falles über diese in Ihrem Sinne verfügen können – inklusive Vorlage.

Mutter stellt Tochter Generalvollmacht aus

Was ist eine Generalvollmacht?

Eine Generalvollmacht ist eine sehr umfangreiche Vollmacht. Sie erlaubt dem Bevollmächtigten sämtliche Rechtsgeschäfte in Stellvertretung für den Ausstellenden auszuführen. Darunter fallen die Patientenverfügung, die Betreuungsverfügung und die Vorsorgevollmacht. Eine Generalvollmacht fasst also auch andere Vollmachten zusammen und erstreckt sich unter anderem auf Bankgeschäfte, Gesundheitsfürsorge sowie das Vermögen.

Kriterien einer Generalvollmacht zum Hausverkauf

Eine Vollmacht muss grundsätzlich

  • vom Notar beglaubigt sein
  • und verfasst worden sein, als der Ausstellende noch geschäftsfähig war,

damit Sie oder Ihre Angehörigen zum Verkauf der Immobilie berechtigt sind. Haben Sie eine Generalvollmacht erhalten, benötigen Sie nichts weiter und können den Hausverkauf in die Wege leiten.

Anders sieht es aus, wenn sie lediglich eine Spezialvollmacht oder eine Vorsorgevollmacht haben. Diese Vollmachten sind, im Gegensatz zur Generalvollmacht, nur für die vom Ausstellenden genannten Bereiche gültig. Das heißt, die Vollmacht muss sich speziell auf die Immobilie beziehen, falls es sich nicht um eine Generalvollmacht handelt.

Bei solchen Vollmachten benötigen Sie für den Immobilienverkauf zusätzlich

Für Immobilieneigentümer bedeutet dies also: Geben Sie Ihrem Angehörigen eine Generalvollmacht, kann dieser sofort und ohne großen Aufwand über die Immobilie und Ihr ganzes Vermögen verfügen, ohne sich mit Ihnen abzustimmen. Überlegen Sie sich also gut, ob Sie der zu bevollmächtigenden Person völlig vertrauen. Bei einer Vorsorgevollmacht sollte Ihnen hingegen bewusst sein, dass beispielsweise ein Verkauf durch den Bevollmächtigten komplizierter sein kann. Steht der mögliche Verkauf der Immobilie bereits zur Debatte, dann fügen Sie gemeinsam mit dem Notar eine entsprechende Anweisung ein.

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Gültigkeit und Widerruf einer Generalvollmacht

Eine Generalvollmacht ist ab dem Zeitpunkt gültig, an dem die Ausstellung an den Bevollmächtigten erfolgt, bis über den Tod hinaus. Haben Sie eine solche Vollmacht also bereits erhalten, können Sie sie ab sofort einsetzen. Jedoch kann der Ausstellende die Vollmacht jederzeit widerrufen.

Besitzen Sie eine Vorsorgevollmacht, ist diese erst gültig, wenn der Ausstellende tatsächlich geschäftsunfähig ist.

Geschäftsunfähig ist eine Person nach der Gesetzgebung dann, wenn sie nicht mehr zur freien Willensbildung fähig ist und die Folgen eines Geschäfts nicht mehr beurteilen kann. Auch an Demenz Erkrankte sind mit zunehmendem Fortschritt der Krankheit geschäftsunfähig.

Ein Hausverkauf trotz Demenz kommt also eher nicht in Frage. Letztlich entscheidet der Notar bei der Beurkundung, ob er den Verkäufer oder Ausstellenden für geschäftsfähig hält, ob das Geschäft oder die Vollmacht gültig sind.

Zudem muss in der Vollmacht explizit genannt werden, wozu diese berechtigt. Während also eine Generalvollmacht zum Hausverkauf in ihrer umfassenden Form berechtigt, muss in einer Vorsorgevollmacht Grundstückshandel genannt werden.

Ein Tipp für das Ausstellen: Wollen Sie möglichen Missbrauch vorbeugen, können Sie die Generalvollmacht auch beim Notar so lange hinterlegen, bis Sie geschäftsunfähig sind. Der Notar wird dann die Vollmacht an den Bevollmächtigten aushändigen. So ist die Generalvollmacht erst zu gebrauchen, wenn Sie auch wirklich geschäftsunfähig sind und nicht schon davor.

Per Generalvollmacht Haus überschreiben

Natürlich berechtigt eine Generalvollmacht nicht nur zum Hausverkauf. Der Bevollmächtigte kann über das Haus oder die Wohnung verfügen, als wäre er selbst der Eigentümer. Somit können Sie als Bevollmächtigter das Haus überschreiben lassen – auf sich selbst beispielsweise, um der tatsächliche und rechtmäßige Eigentümer der Immobilie zu werden. Dabei steht eine Generalvollmacht nach aktueller Rechtsprechung über dem Testament des Ausstellenden. Das heißt, sollte die Immobilie nach Testament an einen Erben gehen, können Sie mit der Vollmacht dennoch das Haus überschreiben oder verkaufen an wen Sie wollen. Die Immobilie scheidet dann aus dem Erbe aus.

Weitere Informationen zum Thema Haus überschreiben, finden Sie unter Schenkung einer Immobilie: Alles zur Erb-Alternative.

 

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag nach bestem Gewissen recherchiert und verfasst wurde, eine individuelle und verbindliche Beratung, die auf Ihre spezifische Situation eingeht, ersetzt der Inhalt dieses Angebots aber nicht.

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