Mit den Ehejahren ist nicht nur das Leben von Ursula und Peter zusammengewachsen, sondern auch ihr Vermögen. Selbstverständlich haben Sie sich gemeinsam daran bedient, egal wer wie viel davon zugeführt hat. Damit nach der Scheidung nun keiner von beiden mit leeren Händen dasteht, gibt es den Zugewinnausgleich. Was es genau damit auf sich hat, wie die Berechnung des Zugewinnausgleichs erfolgt und was das Haus von Ursula und Peter für eine Rolle spielt, erklären wir Ihnen im Folgenden mit der Unterstützung von Frau Dr. Birgit Hartman-Hilter, Fachanwältin für Familien- und Erbrecht.

Scheidung Zugewinnausgleich

 

Zugewinnausgleich: Was ist das?

 

Der Zugewinnausgleich ist eine Geldforderung, die unter bestimmten Voraussetzungen einem der Partner bei der Scheidung zusteht. „Dabei handelt es sich um einen Ausgleich zwischen den jeweiligen Vermögenszuwächsen der beiden Ehepartner. Denn der Gesetzgeber geht davon aus, dass beide Partner bei der Scheidung in gleicher Höhe von dem Vermögenszuwachs während der Ehe, dem Zugewinn, profitieren sollen.“, erklärt Dr. Hartman-Hilter.

Der Zugewinn ist dabei die Differenz zwischen dem Endvermögen und dem Anfangsvermögen der Partner. Also das Vermögen, das Ursula zum Zeitpunkt des Scheidungsantrags besitzt, abzüglich dem Vermögen, das sie in die Ehe mitbrachte. Daraus ergibt sich der Zugewinn. Ein Ausgleich findet dann statt, wenn ihr Zugewinn höher oder niedriger sein sollte als der von ihrem Partner Peter. Dabei ist der Zugewinnausgleich immer ein Geldbetrag und kann nicht in Vermögensgegenständen beglichen werden. Übrigens haben auch sich trennende Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft das Recht auf einen Zugewinnausgleich.

Die Grundlagen für einen Zugewinnausgleich

 

Die Grundlage für einen Anspruch auf Zugewinnausgleich bei der Scheidung bildet die gesetzliche Zugewinngemeinschaft. „Immer dann, wenn die Eheleute nichts anderes vereinbaren, also keinen notariellen Ehevertrag abschließen, leben sie ab dem Beginn der Ehe in der gesetzlichen Zugewinngemeinschaft. Sind sich beide Parteien einig, kann der Zugewinnausgleich zum Zeitpunkt der Trennung oder Scheidung im Rahmen einer Trennungsvereinbarung oder Scheidungsfolgenvereinbarung geregelt werden. Im Falle einer Trennungsvereinbarung ist dann u.U. auch noch der Güterstand der Gütertrennung für die weitere Ehezeit zu wählen“, so Dr. Hartman-Hilter. Gibt es keinen Ehevertrag und kommt auch keine Vereinbarung zustande, muss ein gerichtlicher Antrag auf Zugewinnausgleich gestellt werden.

Zusammengefasst: Ein Zugewinnausgleich ist nicht nötig, wenn …

  • … keine entsprechende Forderung gestellt wurde. Es bleibt den Ehepartnern überlassen, ob sie ihren Anspruch auch geltend machen wollen.
  • … der Zugewinn beider Partner gleich hoch ist. Das heißt, wenn Peters Zugewinn genau dem von Ursula entspricht, muss nichts ausgeglichen werden.
  • … etwas anderes in einem notariellen Vertrag vereinbart wurde.

Für eine Immobilie gilt beim Zugewinnausgleich Folgendes: Haben Ursula und Peter das Haus während der Ehe gekauft und sind sie beide als Eigentümer im Grundbuch vermerkt, zählt bei der Scheidung das Haus als Zugewinn für beide mit je der Hälfte des Wertes. Somit gleicht sich dieser Zugewinn wieder aus, wodurch kein Zugewinnausgleich nötig ist (wenn das Haus das einzige Vermögen des Paares darstellt). In diesem Fall wird gegebenenfalls auch der Erlös vom Immobilienverkauf fair geteilt.

Ist einer der beiden jedoch der Alleineigentümer, gilt das Haus nur als Zugewinn dieser einen Person – auch wenn die Immobilie während der Ehe gekauft wurde. Das heißt, der andere Partner hat so einen möglichen Ausgleichsanspruch. Wer rechtlich der Eigentümer ist, steht immer im Grundbuch. Genauere Informationen zu der Frage, wem das Haus im Scheidungsfall gehört, lesen Sie im entsprechenden Beitrag.

Vom Anfangs- bis zum Endvermögen

 

Paar auf Couch

Um den Zugewinn in der Ehe und anschließend den möglichen Zugewinnausgleich berechnen zu können, müssen Ursula und Peter jeweils ihr Anfangsvermögen und ihr Endvermögen in Erfahrung bringen. Juristisch definiert sich das Anfangsvermögen so:

„Das Anfangsvermögen ist das Vermögen, das einem Ehegatten nach Abzug der Verbindlichkeiten beim Eintritt des Güterstandes gehört.“ (§ 1374 Abs. 1, BGB)

Zum Anfangsvermögen gehört also das gesamte Vermögen, das jeder der Partner am Tag der standesamtlichen Heirat besitzt. „Hierbei bewertet man das gesamte Eigentum der jeweiligen Person. Dieses setzt sich zusammen aus Immobilien, Autos, Konten, Depots, aber auch Goldbarren, Schmuck usw. Sind keine Vermögenswerte nachweisbar, so wird das Anfangsvermögen der betreffenden Person mit 0 € bewertet. Daher ist es ratsam, bereits bei Beginn der Ehe Beweise für das Anfangsvermögen zu sichern“, gibt Dr. Hartman-Hilter zu beachten.

Schulden werden vom Anfangsvermögen abgezogen. Falls einer der Partner nur mit Schulden in die Ehe gegangen ist, so ist sein Anfangsvermögen negativ.


Hinzu kann der sogenannte „privilegierte Erwerb“ kommen. Hat beispielsweise Ursula eine Schenkung oder eine Erbschaft während der Ehe erhalten, zählt diese dennoch zu ihrem Anfangsvermögen. Außerdem wird das Anfangsvermögen immer auf den heutigen Geldwert angepasst. Dazu im Absatz „Berechnung des Zugewinnausgleichs“ mehr.

„Das Endvermögen ist das Vermögen, das einem Ehegatten nach Abzug der Verbindlichkeiten bei der Beendigung des Güterstands gehört.“ (§ 1375 Abs. 1 BGB)

Hat sich das Ehepaar getrennt, zieht jeder also vorhandene Schulden von seinem Vermögen am Tag der Zustellung des Scheidungsantrages ab und hat dann den Betrag seines Endvermögens. Auch das Endvermögen kann ein negativer Betrag sein.

Wenn bei der Scheidung ein Haus im Spiel ist, gilt: Eine Wertsteigerung wird als Zugewinn betrachtet. Falls die Immobilie beiden Partnern gehört, wird die Wertsteigerung durch zwei geteilt und ihnen somit zu gleichen Teilen angerechnet. Gehört das Haus oder die Wohnung nur einem, zählt die Wertsteigerung nur zu dessen Zugewinn.

Berechnung des Zugewinnausgleichs

 

Für die Berechnung des Zugewinnausgleichs muss nun jeder Partner sein Anfangsvermögen von seinem Endvermögen abziehen. Das ergibt jeweils den Zugewinn, also den Vermögenszuwachs während der Ehe. Die Differenz zwischen diesen beiden Summen wird halbiert, ergibt den Zugewinnausgleich und steht der Person mit dem niedrigeren Zugewinn zu. Sind die Summen gleich hoch, besteht logischerweise für keinen der Partner die Möglichkeit einer Ausgleichforderung.

Die Berechnung vom Zugewinnausgleich erfolgt demnach folgendermaßen:

Ursula: Endvermögen (- Schulden) – Anfangsvermögen (- Schulden) = Zugewinn

Peter: Endvermögen (- Schulden) – Anfangsvermögen (- Schulden) = Zugewinn

Ursulas Zugewinn – Peters Zugewinn = mögl. Differenz / 2 = Zugewinnausgleichsanspruch

 

Bei der Berechnung des Zugewinnausgleichs gibt es jedoch eine Besonderheit: Das Anfangsvermögen muss zuvor indexiert werden. Es ist auch vom „Kaufkraftausausgleich“ die Rede. Denn das Gesetz geht von einem inflationsbedingten Wertverlust aus. Der Index eines jeden Jahres wird vom Statistischen Bundesamt geführt. Haben Ursula und Peter also 1992 geheiratet, suchen sie den Jahresindex aus diesem Jahr heraus sowie den Index im Jahr des Scheidungsantrags.

Die Berechnung:

Anfangsvermögen x Index bei Scheidungsantrag / Index bei Heirat = indexiertes Anfangsvermögen

 

Zur Veranschaulichung ein Beispiel, bei dem ein Ehepartner Schulden mit in die Ehe bringt:

Zugewinnausgleich Berechnung Beispiel bei Scheidung

Außerdem gut zu wissen

 

Es ist für beide Parteien gut zu wissen, wie die Berechnung vom Zugewinnausgleich bei der Scheidung funktioniert. Doch auch folgende Punkte müssen Sie dabei beachten

  • Stichtage: Für das Anfangsvermögen ist der standesamtliche Hochzeitstag der Stichtag. Das Vermögen einer Person an diesem Tag bildet also das Anfangsvermögen. Beim Endvermögen ist der Tag, an dem der Scheidungsantrag beim anderen eingegangen ist, der Stichtag.
  • Ausgleichsanspruch: Der Anspruch auf den Zugewinnausgleich beschränkt sich nur auf das tatsächlich vorhandene Vermögen des Partners am Tag der Zustellung des Scheidungsantrages. Keiner muss sich also verschulden, um dem anderen den Zugewinnausgleich bezahlen zu können.
  • Auskunftsanspruch: Jeder hat das Recht, vom Anderen Auskunft über dessen Vermögen an den relevanten Stichtagen zu verlangen, damit er den Zugewinnausgleich berechnen kann.
  • Benachteiligung: Niemand darf zur Trennung oder Scheidung Vermögen bei Seite schaffen, um den anderen beim Zugewinnausgleich zu benachteiligen.
  • Verjährung: Der Anspruch auf den Zugewinnausgleich verjährt nach 3 Jahren.

 

Hinweis zum Haftungsausschluss: Dieser Beitrag wurde nach bestem Gewissen recherchiert und verfasst. Der Inhalt dieses Angebots kann und soll eine individuelle und verbindliche Rechtsberatung, die auf Ihre spezifische Situation eingeht, nicht ersetzen.