Meins und deins – das sind Wörter, die Ursula und Peter in ihrer Ehe schnell durch „unsers“ ersetzt haben. Klar, denn wie alle anderen Ehepaare leben sie zusammen und haben sich mit dem Ehegelübde vorgenommen, ihr Leben bis ans Ende zu teilen. Doch dann kommt es anders als geplant: Sie leben sich immer mehr auseinander und beschließen letztendlich sich zu trennen. Die Scheidung steht an und sie stellen sich die Frage: Was ist jetzt meins und was ist deins? Wem gehört das Haus? Wer bekommt das Haus nach der Scheidung? Und wie kann bei einer Scheidung eine Aufteilung vom Haus erfolgen? Wir beantworten ihnen und Ihnen diese Fragen, damit die Scheidung nicht komplizierter wird, als sie oft ohnehin schon ist.

Streit um Haus

Meins: Alleineigentümer vom Haus

Nach vielen Jahren des Zusammenlebens ist das Haus oder die Wohnung gefühlt das gemeinsame Eigentum von Ursula und Peter. Denn jeder hat seine Kleidung, Bücher und Filme in der Ehewohnung. Die Möbel wurden zusammen ausgesucht. Fotos von beiden hängen an der Wand … Kurzum: Es ist das Zuhause beider Ehepartner. Für eine klare und saubere Scheidung zählt aber nicht das Gefühl, sondern der Grundbucheintrag. Dieser beantwortet die Frage: Wem gehört das Haus? Denn hier wurde beim Kauf der Immobilie der Eigentümer vermerkt. Steht nur ein Ehepartner dort drin, ist dieser der Alleineigentümer.

Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Immobilie vor der Ehe gekauft wurde. Wem das Haus gehört, ist somit rechtlich gesehen klar, auch wenn es sich emotional anders anfühlt. Doch der andere muss in diesem Fall keine Angst davor haben von heute auf morgen ohne Bleibe dazustehen. Zwar hat der im Grundbuch Eingetragene die Weisungsbefugnis. Das heißt, er darf den Partner dazu auffordern, auszuziehen. Aber er muss eine Karenzzeit einräumen, damit der andere in Ruhe eine Wohnung suchen kann. Hinzu kommt, dass der Besitzer die Kosten seines Partners erstatten muss, die diesem durch den Umzug entstehen, es sei denn, im Ehevertrag wurde etwas anderes vereinbart. Der Eigentümer hat zudem die Möglichkeit seinem Partner ein beschränktes oder unbeschränktes Wohnrecht zu gewähren. Dabei steht es ihm auch zu, Miete zu verlangen. Achtung: Gibt es einen Alleineigentümer, muss die Immobilie auch im Zugewinnausgleich berücksichtigt werden.

Unser gemeinsames Haus

Anders sieht es aus, wenn das Haus oder die Wohnung gemeinsam gekauft wurde und beide Partner als Eigentümer im Grundbuch stehen. In diesem Fall stehen dem Ehepaar drei Möglichkeiten zur Verfügung:

  • der Hausverkauf an Dritte
  • einer überträgt dem anderen seine Anteile
  • die Teilungsversteigerung beantragen

Die erste Option ist in vielen Fällen die einfachste und angenehmste Vorgehensweise bei einer Scheidung, da es eine Art Aufteilung vom Haus ist. Hier verkauft das Paar seine gemeinsame Immobilie und teilt sich den erzielten Preis. Sie können zügig getrennte Wege gehen und sind das wohl größte Erinnerungsstück schnell los, damit sie einen optimalen Neustart hinlegen können.

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Doch nicht immer kommt auch eine Trennung von Haus oder Wohnung infrage, gerade wenn Kinder im Spiel sind. Denn ihnen ist die Immobilie oftmals seit ihrer Geburt ein Zuhause. So wollen viele Eltern ihrem Nachwuchs zu der bevorstehenden Trennung nicht auch noch einen Umzug, möglicherweise in eine neue Stadt, zumuten. Also wird ein Immobilienverkauf an Dritte ausgeschlossen. Das Ehepaar muss sich nun die Frage stellen: Wer bekommt das Haus nach der Scheidung? Da beide Partner die Eigentümer sind, müssen sie sich einigen. Wer nicht im gemeinsamen Haus bleibt, muss dann seine Anteile dem Partner übertragen, damit dieser im ganzen Besitz der Immobilie ist. Der Bleibende muss dem ausziehenden Partner dann auszahlen. Die letzte Möglichkeit ist dagegen nur etwas für den Fall, dass sich das scheidende Paar nicht einigen kann, was mit dem Eigenheim geschehen soll. Sind die Fronten verhärtet und möchte keiner dem anderen etwas zugestehen, kann eine beantragt werden. Hier ist das Ziel, die Gemeinschaft aufzulösen. Diese Maßnahme sollte der letzte Ausweg sein.

Der Ehevertrag als Stresskiller

Ehevertrag

Wem das Haus letztlich gehört, steht also im Grundbuch. Und je nachdem was dort drin steht, gibt es für das Ehepaar verschiedene Möglichkeiten, wie sie mit der Immobilie verfahren können. Doch neben dem Grundbucheintrag spielt auch der Ehevertrag eine wichtige Rolle, falls denn einer geschlossen wurde.

Dass viele Paare zuversichtlich auf einen Ehevertrag verzichten, ist in vielen Scheidungsfällen kritisch. Vor allem, wenn es ein Haus oder eine Wohnung besitzt oder daran arbeitet, sich den Traum vom gemeinsamen Eigenheim zu erfüllen, ist ein Ehevertrag sehr zu empfehlen. Denn dieser, von vielen als Romantik-Killer wahrgenommen, kann später im Scheidungsfall ein wahrer Stresskiller sein. So kann das Paar in einem Vertrag genau festlegen, was mit dem Zuhause passiert, sollte es zur Scheidung kommen. Damit sparen sich die Ehegatten schon mal einen großen Streitfaktor, gerade wenn sie als gemeinsame Eigentümer im Grundbuch notiert sind. Sie müssen sich nicht erst darauf einigen, ob sie das Haus verkaufen wollen oder einer es behält. So reduzieren sie das Risiko einer unrühmlichen Teilungsversteigerung.

Was im Ehevertrag festgelegt wurde, wird bei der Scheidung auch umgesetzt. Dabei gibt es die verschiedensten Möglichkeiten zur Ausgestaltung des Ehevertrags. Die Eheleute können die gesetzliche Zugewinngemeinschaft nach ihren Wünschen modifizieren. Sie können aber auch mit einer geregelten Gütergemeinschaft oder Gütertrennung sich gegen eine Zugewinngemeinschaft entscheiden. Was am besten für einen ist, hängt ganz von der individuellen Lebenssituation ab. Von der finanziellen Lage beider, von Zukunftsplänen, von bereits gemeinsamen Besitz. Deshalb ist eine ausführliche Beratung durch einen Rechtsexperten der beste Weg, einen Ehevertrag zu schließen. Denn was für Ursula und Peter gut ist, muss nicht gut für Sie und Ihren Partner sein.

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